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Silikon-Hydrogel-Linsen

Silikon-Hydrogel-Linsen sind moderne weiche Kontaktlinsen, durch die mehr Sauerstoff an die Hornhaut gelangt als durch normale weiche ("Hydrogel")-Linsen.

Tatsächlich lassen Silikon-Hydrogel-Linsen bis zu fünfmal mehr Sauerstoff an die Hornhaut als Standard-Hydrogel-Linsen.

Silikon-Hydrogel-Linsen und Standard–Hydrogel-Linsen bestehen beide aus Kunststoffen, die im trockenen Zustand hart sind. Wenn sie befeuchtet werden, absorbieren sie jedoch schnell Wasser und werden weich und gelartig.

Haben Sie eine weiche Kontaktlinse oder eine Silikon-Hydrogel-Linse schon einmal austrocknen lassen? Dann wissen Sie, dass sie sich verformt, hart und zerbrechlich wird. Wenn Sie sie jedoch für einige Minuten in Kontaktlinsenlösung einweichen, wird sie wieder weich und geschmeidig.

Silikon-Hydrogel-Linsen werden weltweit am häufigsten empfohlen und angepasst.

Silikon-Hydrogel- (nicht "Silizium"-Hydrogel) Kontaktlinsen

Silikon-Hydrogel-Linsen werden manchmal fälschlicherweise Silizium-Hydrogel-Linsen genannt.

Silizium ist ein sehr häufig vorkommendes Mineral. Tatsächlich besteht normaler Sand primär aus Siliziumdioxid (Kieselsäure).

Hochreines Silizium wird zur Herstellung von Halbleitern verwendet. Aus diesem Grund haben sich Apple und viele andere High-Tech-Firmen im sogenannten Silicon Valley angesiedelt.

Silikon hingegen ist der Name einer Gruppe flexibler, kunststoffartiger Materialien, die neben Silizium auch Kohlenstoff, Sauerstoff und weitere chemische Elemente enthalten. Neben sauerstoffdurchlässigen Kontaktlinsen werden aus Silikon auch Brustimplantate, medizinische Schläuche und weitere medizinische Geräte hergestellt.

Silikon-Hydrogel-Linsen sind weiche Linsen, dennoch kommt Silikon auch bei der Produktion vieler harter, sauerstoffdurchlässiger Kontaktlinsen zum Einsatz, um deren Durchlässigkeit zu verbessern.

Vorteile von Silikon-Hydrogel-Linsen

Kontaktlinsen reduzieren bis zu einem gewissen Maße die Menge an Sauerstoff, die die vordere Oberfläche des Auges erreicht.

Wenn die Sauerstoffversorgung der Hornhaut deutlich reduziert ist und die sogenannte Hypoxie auslöst, kann es zu roten Augen, Hornhautschwellung, verschwommenem Sehen und weiteren Augenbeschwerden kommen. Außerdem kann Hypoxie bei Kontaktlinsenträgern das Risiko erhöhen, Augeninfektionen zu entwickeln.

Mit Hypoxie zusammenhängende Augenprobleme nahmen zu, als Tag- und Nachtlinsen beliebter wurden. Als die Zahl der Menschen, die Kontaktlinsen über Nacht und über mehrere Tage hinweg trugen wuchs, wuchs auch die Anzahl der Augeninfektionen in Verbindung mit Kontaktlinsen.

Silikon-Hydrogel-Linsen wurden mit der Hoffnung eingeführt, Hypoxie-Probleme zu verringern und die Sicherheit von Tageslinsen sowie Tag- und Nachtlinsen zu erhöhen.

Die erhöhte Sauerstoffzufuhr ist wahrscheinlich für alle Kontaktlinsenträger von Vorteil, insbesondere wenn man in Betracht zieht, dass viele Träger die Anweisungen Ihres Augenarztes' zu Pflege und Tragedauer nicht befolgen.

Spezielle Silikon-Hydrogel-Linsen

Die verbesserte Sauerstoffdurchlässigkeit von Silikon-Hydrogel macht dieses Material ideal für Kontaktlinsentypen, die sonst Hypoxieprobleme verursachen können.

Dazu gehören Kontaktlinsen, die mehr Linsenmasse erfordern, so etwa torische Linsen gegen Hornhautverkrümmung, bifokale Kontaktlinsen, Kontaktlinsen für komplexe Sehbedürfnisse und Kontaktlinsen nach Maß wie etwa weiche Kontaktlinsen gegen Keratokonus.

Risiken von Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen

Senken Silikon-Hydrogel-Linsen das Risiko von Keratitis und Augeninfektionen? Ja und nein.

Eine im British Journal of Ophthalmology veröffentlichte Studie beschreibt bei Trägern von Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen ein deutlich niedrigeres Risiko für eine schwere Keratitis bei gleichzeitig erhöhtem Risiko für eine leichte Keratitis.

Die 12-monatige in britischen Kliniken durchgeführte Studie zeigte, dass die jährlichen Fälle leichter Keratitis in beiden Gruppen gering waren. Betroffen waren 0,14 % der Träger konventioneller Hydrogel-Linsen und 0,56 % der Träger von Silikon-Hydrogel-Linsen.

Es gab keine Fälle schwerer Keratitis unter den Patienten, die Silikon-Hydrogel-Linsen als Tageslinse trugen. Hingegen entwickelten 0,06 % der Patienten, die täglich normale Hydrogel-Linsen trugen (6,4 pro 10.000) eine schwere Keratitis.

Das Risiko einer Keratitis war bei beiden Typen weicher Kontaktlinsen größer, wenn die Patienten ihre Linsen als Tag- und Nachtlinsen verwendeten.

Eine leichte Keratitis betraf

  • 48,2 von 10.000 der Patienten, die normale Hydrogel-Linsen über Nacht trugen

  • 98,8 von 10.000 der Patienten, die Silikon-Hydrogel-Linsen über Nacht trugen

Eine schwere Keratitis betraf

  • 96,4 von 10.000 der Patienten, die normale Hydrogel-Linsen über Nacht trugen

  • 19,8 von 10.000 der Patienten, die Silikon-Hydrogel-Linsen über Nacht trugen

Die Autoren der Studie schlossen daraus, dass es bei Trägern, die mit Kontaktlinsen schlafen im Vergleich zu Trägern, die ihre Linsen nur am Tage tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für eine schwere Keratitis gibt. Sie raten deshalb dazu, Menschen, die dauerhaft Kontaktlinsen tragen möchten Silikon-Hydrogel-Linsen zu empfehlen. Diesen scheinen für das Tragen über Nacht besser geeignet zu sein als normale Hydrogel-Linsen.

Kritiker von Silikon-Hydrogel-Linsen haben diese Studie als Beweis dafür benutzt, dass Silikon-Hydrogel-Linsen ein größeres Risiko für eine leichte Keratitis mit sich bringen. Die Studie lieferte jedoch keinen Aufschluss darüber, wie viele Träger von Silikon-Hydrogel-Linsen mit leichter Keratitis vor der Studie wegen ähnlicher Probleme mit normalen Hydrogel-Linsen überhaupt erst Silikon-Hydrogel-Linsen erhalten hatten.

Zudem waren die einzigen Silikon-Hydrogel-Linsen, die zum Zeitpunkt des Studienendes in Großbritannien zugelassen waren, Monatslinsen, während es bereits diverse Marken normaler Hydrogel-Linsen für den häufigeren zweiwöchigen Austausch gab.

Heutzutage gibt es weltweit diverse Angebote an Silikon-Hydrogel-Tageslinsen, die täglich ausgetauscht werden und somit das Risiko einer Keratitis verringern.

Allergische Reaktion

Einige Blogs und Online-Foren enthalten Beschwerden von Kontaktlinsenträgern zu allergieähnlichen Symptomen beim Tragen von Silikon-Hydrogel-Linsen.

Dazu zählen etwa Rötungen, ein unangenehmes Gefühl beim Tragen, juckende Augen, eine erhöhte Wahrnehmung der Linse im Auge und Trockenheitssymptome.

Diese Symptome können jedoch durch eine zu trockene Kontaktlinse oder eine Reaktion auf die verwendete Kontaktlinsenlösung bzw. Pflege verursacht werden.

Obwohl Silikon-Hydrogel-Linsen mehr Sauerstoff an die Oberfläche des Auges lassen, kann Silikon eine schnellere Linsen-Austrocknung verursachen.

Deshalb wurden neue Kontaktlinsenlösungen entwickelt, die spezielle Wirkstoffe enthalten. Diese halten die Silikon-Hydrogel-Linsen den ganz Tag über feucht.

Obwohl sich Silikon-Hydrogel und Standard-Hydrogel-Linsen in der Regel gleich angenehm tragen lassen, können Menschen mit geringfügig trockenen Augen eine Verstärkung der Symptome durch Silikon-Hydrogel-Linsen feststellen. Diese Trockenheits-Beschwerden werden eventuell für ein allergisches Symptom gehalten.

Weil Silikon-Hydrogel-Linsen sauerstoffdurchlässiger sind, fühlen sich die Linsen möglicherweise aus einem anderen Grund „präsenter“ im Auge an:

Wenn die Hornhaut beim Tragen von normalen Hydrogel-Linsen weniger Sauerstoff erreicht, wird ihre Sensibilität womöglich verringert. Erreicht die Hornhaut hingegen mehr Sauerstoff ist es möglich, dass die normale Hornhautsensibilität zurückkehrt. Sauerstoffdurchlässige Silikon-Hydrogel-Linsen werden vom Träger deshalb eventuell bewusster wahrgenommen.

Tatsächlich fanden Forscher in einer Studie, die im Journal Investigative Ophthalmology & Visual Science veröffentlicht wurde heraus, dass sich die Sensibilität der Hornhaut von Kontaktlinsenträgern, die ihre normalen Hydrogel-Linsen durch Silikon-Hydrogel-Linsenträgern austauschten erhöhte.

Die Studie ermittelte bei Trägern von Silikon-Hydrogel-Linsen zudem Veränderungen der Hornhautsensibilität, wenn andere Linsenpflegemittel verwendet wurden.

Für echte Silikon-Hydrogel-Linsenallergien gibt es keine wissenschaftlichen Belege.

Sind Silikon-Hydrogel-Linsen für Sie geeignet?

Die meisten Augenärzte stimmen darin überein, dass der offensichtlichste Vorteil von Silikon-Hydrogel-Linsen die Reduktion von Hypoxie-Problemen ist, die durch weiche Linsen aus normalen Hydrogel-Materialien verursacht werden.

Dies führt beim längeren Tragen von Kontaktlinsen wahrscheinlich zu weniger roten Augen, Irritationen oder einer ernsthaften Keratitis.

Zudem ist es wahrscheinlich, dass es Silikon-Hydrogel-Linsen aufgrund ihrer erhöhten Sauerstoffdurchlässigkeit vielen Menschen ermöglichen, Kontaktlinsen sicherer als normale Hydrogel-Linsenüber mehrere Stunden lang zu tragen.

Mit Silikon-Hydrogel-Materialien können Kontaktlinsenhersteller eine größere Vielfalt von Kontaktlinsen-Typen realisieren, die sich aufgrund einer gesunden Sauerstoffdurchlässigkeit sicher und bequem tragen lassen, täglich oder länger.

Silikon-Hydrogel-Linsen konnten jedoch nicht alle Kontaktlinsenprobleme lösen. Manche Menschen nehmen Silikon-Hydrogel-Linsen womöglich intensiver im Auge wahr als normale Hydrogel-Linsen.

Einige Studien haben gezeigt, dass Silikon-Hydrogel-Linsen anfälliger für bestimmte Arten von Ablagerungen auf Kontaktlinsen sind als normale Hydrogel-Linsen. Deshalb wirken einige Kontaktlinsenlösungen bei ihnen möglicherweise weniger effektiv.

Andere Studien bringen Silikon-Hydrogel-Linsen trotz ihrer größeren Sauerstoffdurchlässigkeit zudem mit einem größeren Risiko für Hornhautentzündungen und weiteren Komplikationen in Verbindung. Die Gründe für diese offensichtlichen Probleme bleiben unklar.

Einige Experten sehen keine fundierten Beweise dafür, dass eine Erhöhung der Sauerstoffversorgung durch Silikon-Hydrogel-Linsen den Tragekomfort verbessern.

Weil es bei jedem Kontaktlinsenmaterial oder -Typ Vor- und Nachteile gibt, sollten Sie sich von einem Optiker oder Augenarzt untersuchen und beraten lassen. Gemeinsam finden Sie heraus, ob Silikon-Hydrogel-Linsen für Sie geeignet sind.

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