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Anisokorie: Warum ist eine Pupille größer als die andere

Die Augen von David Bowie mit Anisokorie

Betrachten Sie Ihre Augen sorgfältig in einem Spiegel. Sieht eine Pupille auffallend größer oder kleiner aus als die andere? Wenn ja, haben Sie möglicherweise eine Anisokorie.

Was ist eine Anisokorie?

Der Begriff Anisokorie bedeutet, dass Sie ungleiche Pupillen haben. Eine der Pupillen kann größer oder kleiner als normal sein, was zu einer Ungleichheit führt. Dabei können beide Pupillen auf Licht normal reagieren oder auch nicht.

In den meisten Fällen ist die Anisokorie harmlos und kein Grund zur Besorgnis. Aber wenn Ihre Pupillen plötzlich ungleich groß werden, kann diese weniger häufige Art der Anisokorie ein Symptom für eine ernste Erkrankung sein.

Arten und Ursachen der Anisokorie 

Es gibt vier Hauptarten von Anisokorie:

  1. Einfache Anisokorie

  2. Pathologische Anisokorie

  3. Mechanische Anisokorie

  4. Pharmakologische Anisokorie

Einfache Anisokorie

Die einfache Anisokorie – auch essenzielle oder physiologische Anisokorie genannt – ist die häufigste Art der Anisokorie. Es handelt sich um eine harmlose Erkrankung, die ungefähr 20 % der Bevölkerung betrifft. 

Bei einer einfachen Anisokorie beträgt der Unterschied in der Pupillengröße normalerweise einen Millimeter oder weniger und beide Pupillen reagieren normal auf Licht. Eine einfache Anisokorie scheint nicht durch Geschlecht, Alter oder die Augenfarbe beeinflusst zu werden. 

Die genaue Ursache der einfachen Anisokorie ist unbekannt. Sie kann intermittierend oder konstant sein, und manchmal verschwindet sie von selbst. 

 

Oben: normale Pupillen. Mitte: Anisokorie mit einer vergrößerten Pupille. Unten: Anisokorie mit einer verkleinerten Pupille.

Pathologische Anisokorie

Bei der pathologischen Anisokorie handelt es sich um ungleiche Pupillen aufgrund einer Erkrankung oder eines Leidens. Beispiele hierfür sind:

Iritis

Iritis ist eine Form der Uveitis, einer entzündlichen Erkrankung des Auges. Eine akute Iritis ist gekennzeichnet durch Augenrötung und Schmerzen, Photophobie, Entzündungszellen in der Vorderkammer des Auges und eine Verengung der Pupille des betroffenen Auges. Dies verursacht die Anisokorie.

Eine Iritis kann viele Ursachen haben, darunter Augeninfektionen, entzündliche Grunderkrankungen und Traumata. Ihr Augenarzt kann die Symptome der Iritis behandeln, während die zugrundeliegende Ursache der Erkrankung ermittelt und kontrolliert wird. 

In einigen Fällen kann eine durch eine Iritis verursachte Anisokorie nach einer erfolgreicher Behandlung bestehen bleiben.

Horner-Syndrom

Obwohl die Anzeichen von Person zu Person variieren können, haben die meisten Menschen mit Horner-Syndrom folgende drei Symptome: 

  • Ptosis – hängendes Augenlid

  • Miosis – Verengung einer Pupille, die Anisokorie verursacht

  • Gesichtsanhidrose – vermindertes Schwitzen rund um das betroffene Auge

Das Horner-Syndrom kann von einer einfachen Anisokorie auch dadurch unterschieden werden, wie schnell sich die Pupille bei schwachem Licht erweitert. Normale Pupillen einschließlich normaler, ungleich großer Pupillen erweitern sich innerhalb von fünf Sekunden nach dem Dämpfen der Raumbeleuchtung. Eine vom Horner-Syndrom betroffene Pupille braucht in der Regel 10 bis 20 Sekunden, um sich bei schwachem Licht oder in einem abgedunkelten Raum zu weiten.

Das Horner-Syndrom wird typischerweise durch ein medizinisches Problem verursacht, so z. B. durch einen Schlaganfall, einen Tumor oder eine Rückenmarksverletzung. In einigen Fällen kann jedoch keine Ursache gefunden werden.

Tonische Adie-Pupille

Die tonische Adie-Pupille ist eine erweiterte Pupille, die durch eine Schädigung der die Muskeln im Auge kontrollierenden Nervenfasern verursacht wird. Die Pupille reagiert zudem kaum auf Licht. Die tonische Adie-Pupille tritt hauptsächlich bei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren auf. In 80 % der Fälle ist nur ein Auge betroffen. In den meisten Fällen ist die Ursache der tonischen Adie-Pupille unbekannt.

Lähmung des dritten Hirnnervs

Der dritte Hirnnerv – auch okulomotorischer Nerv genannt – steuert mehrere Muskeln, die die Bewegungen der Augen und Augenlider steuern. Zudem beeinflusst er einen Muskel, der die Pupillengröße steuert. Eine Lähmung des okulomotorischen Nervs führt beim betroffenen Auge zu einer erweiterten Pupille und somit zu einer Anisokorie. 

Neben der Anisokorie verursacht die Lähmung des dritten Hirnnervs häufig auch eine Ptosis (hängendes Augenlid), eine Fehlstellung des betroffenen Auges nach „unten und außen“ sowie den Verlust der Akkommodation und damit der Fähigkeit, sich auf nahe Objekte zu konzentrieren.

Zu den Ursachen der Lähmung des dritten Hirnnervs gehören Druck durch ein Aneurysma, einen Tumor oder eine Hirnblutung. Bei Kindern können auch Migräne und schwere Infektionen wie eine Meningitis ursächlich sein.

Wenn Sie oder ein Familienmitglied Symptome einer Lähmung des dritten Hirnnervs entwickeln, suchen Sie sofort einen Arzt auf.

Mechanische Anisokorie

Die mechanische Anisokorie ist eine ungleiche Pupillengröße als Folge einer Schädigung der Iris oder ihrer stützenden Strukturen. Zu den Ursachen gehören Augentraumata, Komplikationen bei Augenoperationen einschließlich der Katarakt-Operation, ein akutes Spitzwinkelglaukom und entzündliche Erkrankungen wie Iritis oder Uveitis. 

Auch angeborene Anomalien in der Struktur der Iris können als Ursache für eine mechanische Anisokorie angesehen werden. Beispiele hierfür sind:

  • Aniridie – das vollständige oder teilweise Fehlen der Iris eines Auges

  • Kolobom – eine bei der Geburt vorhandene Lücke in der Iris, die der Pupille ein ausgeprägtes „Schlüsselloch“ oder „Katzenaugen-Aussehen“ verleiht

  • Ektopische Pupille – eine erbliche Erkrankung, die eine Verschiebung der Pupille und eine Dislokation der Linse verursacht

Auch Tumore im Inneren des Auges können eine mechanische Anisokorie verursachen. 

Pharmakologische Anisokorie

Hier wird die ungleiche Pupillengröße durch die Nebenwirkung eines Medikaments verursacht.

Medikamente, die als potenzielle Ursache der pharmakologischen Anisokorie identifiziert wurden, sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zur Behandlung von Depressionen.

Transdermale Scopolamin-Pflaster zur Behandlung von Reisekrankheit und Übelkeit nach einer Chemotherapie, haben ebenfalls das Potenzial, Anisokorie zu verursachen. 

Zudem können auch bestimmte medikamentöse Glaukom-Augentropfen eine Anisokorie verursachen, insbesondere wenn sie zur Behandlung eines Glaukoms an nur einem Auge eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist Pilocarpin, das eine kleinere Pupille im behandelten Auge verursachen kann; außerdem Brimonidin und Praclonidin, die eine größere Pupille im behandelten Auge verursachen können.   

Was tun bei Anisokorie

Wenn Sie oder jemand anderes bemerkt, dass Ihre Pupillen ungleich groß sind, suchen Sie sofort Ihren Augenarzt auf – insbesondere, wenn Sie eines der folgenden Symptome haben:

  • Hängendes Augenlid (Ptosis)

  • Doppeltsehen

  • Verlust der Sehkraft

  • Kopfschmerzen oder Nackenschmerzen

  • Augenschmerzen

  • Kürzliche Kopf- oder Augenverletzungen

Wenn die Anisokorie gering ist und Ihre Pupillen normal auf die Tests bei Ihrem Augenarzt reagieren, besteht kein Grund zur Sorge. Wenn Sie ungleiche Pupillen haben, sollten Sie diese jedoch immer erst von einem Augenarzt beurteilen lassen, bevor Sie davon ausgehen, dass alles in Ordnung ist.

Wenn Sie eine Anisokorie haben, bei der eine Pupille größer als die andere ist, fragen Sie Ihren Optiker nach photochromen Gläsern. Diese Brillengläser verdunkeln sich bei Sonnenlicht automatisch und lindern Lichtempfindlichkeit (Fotophobie).

Photochrome Gläser schützen Ihre Augen außerdem vor schädlichen UV-Strahlen und energiereichem Blaulicht. Das ist besonders wichtig für ein Auge mit größerer Pupille, das nicht normal auf Licht reagiert.

Horner-Syndrom. Mayo-Klinik. Zugriff online Juni 2017.

Pupillen, ungleich (Anisokorie). Merck-Handbuch (Verbraucher-Version). Zugriff online Juni 2017.

Remington, Lee Ann. Clinical Anatomy And Physiology Of The Visual System, 3rd Edition.. Butterworth-Heinemann, 2012.

Disorders of the pupil. Ophthalmology Clinics of North America. Januar 2001.

The prevalence of simple anisocoria. American Journal of Ophthalmology. Juli 1987.

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